Regelschullehrerin Dagmar Reuchsel hat in 41 Jahren tiefe Spuren hinterlassen

Unmittelbar vor den Ferien herrscht natürlich auch in einem Lehrzimmer gute Laune. Doch auch diesmal mischte sich in die Urlaubsstimmung im großen Pädagogenraum an der Rudolstädter Schillerschule eine Menge Wehmut. Schließlich galt es erneut, eine langjährig tätige Kollegin zu verabschieden. Diesmal betraf es Dagmar Reuchsel, Fachlehrerin für Mathematik und Physik an der größten städtischen Regelschule.

„Sie hinterlassen tiefe Spuren und ich kann mich nur für ihr riesiges Engagement bedanken“, sagte Rektorin Kerstin Köcher anlässlich der Verabschiedung von Dagmar Reuchsel.

Sie blickt auf eine 41-jährige Lehrertätigkeit im unmittelbaren Kontakt mit Schülern zurück Bis auf eine kurze Zeit am Ende war die Fachlehrerin für den naturwissenschaftlichen Bereich - als Not am Mann war, hat sie auch Biologie unterrichtet - auch immer Klassenleiterin, eine der zentralen Aufgaben an einer Schule.

Begonnen hat alles 1976 an der damaligen Polytechnischen Oberschule „Anton Sommer“ in Rudolstadt. Nach dem Wechsel an die Regelschule Cumbach folgte 1997 der an die Staatliche Regelschule „Friedrich Schiller“. Es sei eine „bewegte Zeit für Dagmar Reuchsel gewesen mit unruhigen Zeiten im Schulsystem, neuen Schularten, Lehrplänen und Zielen“, wusste die Rektorin um die Bedeutung der Jahre nach 1989.

1999 setzte sich die nun scheidende Regelschullehrerin noch einmal selbst auf die Schulbank und absolvierte ein Beratungslehrerstudium. Nach dem erfolgreichen Abschluss war sie die Lehrerin an der Schule, zu der viele Schüler mit Problemen Vertrauen fassten. Unzählige Einzelfälle hat sie „bearbeitet“ und immer, so Kerstin Köcher, „ein gutes Gespür für die Sorgen und Nöte der Kinder bewiesen“. Die Schulleiterin wörtlich: „Sie haben in den Schülern immer das Positive gesehen und auch so manchen Kollegen angeregt, seinen Blickwinkel zu verändern.“

Dass Dagmar Reuchsel sieben Kultus- bzw. Bildungsminister er- und „überlebte“ und dass es schwierig ist, sich an eine Schülerin, die man 1977 unterrichtete und nun in der Stadt trifft, namentlich zu erinnern, sind natürlich keine Gründe für den Übergang in den Ruhestand. 41 Jahre immer vor Kindern und Jugendlichen gestanden zu haben, genügen und lassen auf eine erfüllte Lehrertätigkeit blicken. Der sich nun anschließende Ruhestand wird einer mit weiteren Verpflichtungen und Aufgaben im familiären Bereich und mit der Erfüllung von persönlichen Wünschen, für die sonst kaum Zeit war. Dass auch der Ehemann, ein Lehrer am Gymnasium Fridericianum, am Schuljahresende an dieser Rudolstädter Schule verabschiedet wurde, macht den Abschied von Dagmar Reuchsel von Schülern und Kollegen ein Stück weit leichter.

Hartmut Gerlach