Die Rakete- ein Theaterprojekt der Klasse 8b
Sind sie bei uns angekommen? Diese Frage bewegt nicht nur die Lehrer unserer Schule. Gefragt sind die 23 Flüchtlingskinder, die seit rund einem Jahr bei uns lernen. Im DAZ-Unterricht geht es um die Grundkenntnisse in Deutsch, in den Klassen geht es um das Gefühl des Angenommenwerdens, des Sichwohlfühlens. Sobald die Sprachbarriere gefallen ist, fügen sich die Dinge zum Guten zusammen. Wer miteinander reden kann, lernt sich leichter kennen und verstehen. Ali aus der 8b versteht schon sehr viel, kann prima lesen und möchte schnell vorwärtskommen. Munir war vor Deutschland in keiner Schule. Alles fällt ihm extrem schwer. Er hat viel Einzelunterricht und ist kaum in der Klasse. Er braucht noch Zeit, fühlt sich im Klassenraum unsicher. Für Ali und Munir und die 8b initiierte Theaterpädagogin Frau Lenz ein Theaterprojekt. Sie kam in den Deutschunterricht und diskutierte mit den jungen Leuten über das Gefühl, als Einzelkämpfer in einer fremden Welt bestehen zu müssen, über Toleranz und Menschlichkeit im Umgang mit Menschen, die alles verloren haben und eine neue Heimat suchen. Die Schüler lasen Texte aus dem Zweipersonenstück „Die Rakete“ vom Niederländer Enver Husicic, das von Sebastian Stefan Golser am Theater Tumult inszeniert und als deutschlandweite Erstaufführung am 16.03.17 Premiere hatte. Die 8b und die 8c durften an einer Theaterprobe mit anschließender Diskussion zu Inhalt und Umsetzung des Stückes teilnehmen und die 8b war Premierenklasse.
Im Stück geht es um die Liebe zwischen Mirthe und Saif, der wieder in die Kriegshölle Afghanistan abgeschoben werden soll und lieber von einer Brücke springt. Es geht um Verstehen und Verzeihen und um die Gewissheit, dass das Leben immer neue Wege bietet. Auch für Mirthe... .
Jasmin schrieb in Auswertung des Theatererlebnisses: “Was ich gut fand war, dass Mirthe kaum Vorurteile gegenüber Flüchtlingen hatte, sondern eher sehr interessiert war. Es ist traurig, dass Menschen andere Menschen nicht akzeptieren, nur weil sie eine andere Kultur, Religion usw. haben.“
Leon meinte: “Ich kann Saif vollkommen verstehen, denn er möchte aus Deutschland nicht mehr „flüchten“, er möchte generell nicht mehr flüchten. Deutschland ist ihm ans Herz gewachsen. Er hat seine große Liebe gefunden… . Ich fand das Stück sehr interessant. Jetzt weiß ich, in welcher Situation ein Mensch ist, wenn er flüchten muss.“
Elias fasste zusammen: “Das Stück „Die Rakete“ ist für Jung und Alt geeignet und befasst sich mit aktuellen Problemen sowie einer Liebesbeziehung zwischen zwei ungewöhnlichen Menschen. Ich kann es nur empfehlen.“

Mit einem besonderen Dank an Frau Lenz endete ein facettenreiches Projekt, das das Bemühen um Verständnis und Verantwortung und noch mehr Miteinander nachhaltig beeinflusst.
I. Carl