Schillerschule Rudolstadt

„Lenen am anderen Ort“ bereitete den Lehrern der Schillerschule nicht nur Freude
Schulleiterin Kerstin Köcher zieht ein Fazit des Schuljahres an der Rudolstädter Regelschule

Seit 2012 ist Kerstin Köcher die Schulleiterin der Regelschule „Friedrich Schiller“ Rudolstadt. Im Gespräch mit Hartmut Gerlach zog sie am letzten Schultag ein Resümee der Arbeit an der Bildungseinrichtung in der ehemaligen Kaserne.

Schauen wir zunächst einmal auf die Entwicklung der Schülerzahlen …
„An unserer Schule lernten zu Beginn des Schuljahres 2015/16 340 Schüler in 16 Klassen. Im Laufe des Schuljahres gab es eine recht hohe Fluktuation. Fast 40 Flüchtlingskinder kamen und gingen. Am Ende waren es 363 Schüler.“

Wie sieht es im Bereich der Lehrerschaft aus?
„Die Schüler wurden von 33 Lehrern unterrichtet. Außerdem waren drei Sonderpädagogen und zwei Lehramtsanwärter tätig. Eine Kollegin hat den aktiven Schuldienst beendet. Auch die beiden Lehramtsanwärter, die ihre Prüfungen erfolgreich abgeschlossen haben, wurden von uns verabschiedet. Wir freuen uns für das kommende Schuljahr auf eine Neueinstellung für die Fächerkombination Sport/Wirtschaft-Recht.“

Was war das Besondere für Sie in diesem Schuljahr?
„Jedes Schuljahr ist ein besonders und anders, bringt neue Herausforderungen und viel Schönes. Auch in diesem Schuljahr haben an der Schule erfahrene und kompetente Lehrerkollegen unterrichtet. Zahlreiche, schon traditionelle Großveranstaltungen, die ich nur exemplarisch nennen kann, wie die hervorragende Schillerehrung, den Schnuppertag für die Viertklässler der Stadt oder den Tag der offenen Tür galt es zu stemmen. Wie gewohnt funktionierte die Zusammenarbeit mit den Kooperationspartnern sehr gut. Beispielhaft auch hier die EVR, das Schillerhaus, das Theater Rudolstadt, BASF oder die Siemens AG Rudolstadt.“

Die Schillerschule ist auch bekannt dafür, dass „Lernen am anderen Ort“ sehr groß geschrieben wird. War das in diesem Schuljahr auch so?
„Das ‚Lernen am anderen Ort’, wie all das bezeichnet wird, was außerhalb des Schulgebäudes stattfindet, spielte an der Schule wieder eine große Rolle. Neben den Klassenfahrten waren das die Sprachreise nach England, viele Exkursionen u. a. nach Eisenach oder Buchenwald oder auch die zahlreichen Projekte. Aber die Regelungen für das ‚Lernen am anderen Ort’ sind sehr aufwändig, für Schulen nicht planbar und es ist nicht transparent, wie die Gelder vergeben werden.“

Wie funktionierte die Zusammenarbeit mit der Eltern- und Schülervertretung?
„Sehr gut hat sich die Zusammenarbeit mit den Elternvertretern entwickelt. Die im Zeitraum von zwei Monaten stattfindenden Zusammenkünfte werden von den Elternsprechern sehr gut wahrgenommen. Die Veranstaltungen haben ein hohes Niveau und bringen allen Seiten etwas. Ein herzlicher Dank gilt dabei der Schulelternsprecherin Frau Dietzel und ihrer Stellvertreterin Frau Pfotenhauer. Ähnliches trifft auch für die Schülersprecher mit Silas Dietzel an der Spitze zu.“

Womit waren Sie nicht zufrieden?
„Die Arbeit eines Lehrers wird immer anspruchsvoller. Besonders die Dokumentation gestaltet sich immer umfangreicher und bindet viel Zeit. Leider musste ich auch erleben, dass sich Ämter aus der Unterstützung zurückziehen mit der Begründung, Eltern und Schüler würden nicht mitarbeiten. Aber die Schüler lernen bei uns und wir als Schule können nicht einfach sagen, wir ziehen uns zurück. Da fühlen wir uns ab und an schon mit den Problemen allein gelassen.“

Auch die Flüchtlingsproblematik machte um die Schillerschule keinen Bogen. Wie sind Sie damit klar gekommen?
„Insbesondere ab Januar haben wir eine Vielzahl von Flüchtlingskindern aufgenommen. Das Kollegium hat sich dieser Aufgabe gegenüber aufgeschlossen gezeigt. Aber wir haben auch gemerkt, dass wir uns in einem Lernprozess befinden und haben im Umgang mit diesen Kindern nicht alles richtig gemacht. Die Schüler wurden in die Klassen integriert und es wurde Deutschunterricht eingerichtet. Doch der Lernerfolg war recht unterschiedlich.“

Für Irritationen, das war auch in der OTZ zu lesen, sorgte die Ankündigung, dass eine Kindertagesstätte ins Schulgebäude einzieht. Wie ist hier Ihr Kenntnisstand?
„Überraschend war für uns, dass das Schulgebäude übergangsweise auch einen Kindergarten beherbergen wird. Inzwischen sind die Wogen geglättet. Es ist auch alles geklärt. Wir freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit mit der Kindereinrichtung.“

Wie erholt sich die Schulleiterin in den Ferien vom Stress der letzten Monate?
„Uns zieht es wieder nach Spanien.“

Hartmut Gerlach