Tino Kühn und Laura Göttner ziehen Sechst- und Achtklässler in ihren Bann
Schauspieler des Rudolstädter Theaters zum bundesweiten Vorlesetag an der Schillerschule

Wenn Schüler einer achten Klasse 45 Minuten mucksmäuschenstill sind, gebannt zuhören und nicht bemerken, dass es zum Stundenende klingelt, dann muss das, was da passiert, schon etwas Besonderes sein. War es auch, denn Tino Kühn, seit diesem Jahr Mitglied im Schauspielensemble des Rudolstädter Theaters, gelang es, die Regelschüler der Schillerschule Rudolstadt am 10. bundesweiten Vorlesetag mitzunehmen nach New York. Hier leben junge Leute, die nicht viel älter sind als die Zuhörer, auf der Straße. Den ersten Treffer landete Kühn jedoch, als er einem Schüler, der zugab, dass er eigentlich nicht gern lese, antwortete: "Dafür  bin ich ja heute hier. Ich lese dir etwas vor." Zuvor hatte sich der Mime vorgestellt und darauf hingewiesen, dass er der "Junge im Bus" sei, der im Frühjahr 2014 wieder in einem Jugendstück zu sehen sei.

Als Tino Kühn schließlich seine Lesung aus "Asphalt Tribe - Kinder der Straße" von Morton Rhue, bekannt auch durch "Die Welle", beendete, war der Tenor in der achten Klasse recht einhellig: Man würde das Buch gern in die Schullektüre aufnehmen, um zu erfahren, ob es Maybe und ihre Clique schaffe, das Leben auf der Straße der Weltmetropole hinter sich zu lassen.

Um eine ganz andere Problematik ging bei Schauspielkollegin Laura Göttner, zurzeit in "Weekend im Paradies" auf der Bühne zu erleben. Sie übernahm an diesem Freitagvormittag die Rolle des "Lehrers" an der Schillerschule in einer sechsten Klasse. Göttner las aus "Das doppelte Lottchen" von Erich Kästner. Die Geschichte von Luise und Lotte, die als Zwillinge durch die Trennung ihrer Eltern auseinander gerissen wurden und die versuchen, die Familie wieder zusammenzuführen, ist so ganz unaktuell sicher nicht. Laura Göttner verstand es ebenso wie Tino Kühn, die Schüler eine ganze Schulstunde mit der Art und Weise ihres Vortrags in ihren Bann zu ziehen. "Schüler dieser Altersstufe so zu begeistern, ist schon beeindruckend", fand auch Katrin Wienhold, Fachlehrerin für Deutsch und Geschichte und Ausbildungsverantwortliche für Lehramtsanwärter und Lehrerstudenten an der Schillerschule, lobende Worte für Laura Göttner. Wobei auch diese Begegnung mit Literatur dazu anregen sollte, Schüler für das Lesen zu begeistern.

Der Vorlesetag wurde vor neun Jahren von der Stiftung Lesen und dem Magazin "Die Zeit" sowie der Deutschen Bahn ins Leben gerufen und erfreut sich immer größer werdender Beliebtheit in Schulen, Kindergärten, Bibliotheken und selbst Rathäusern. Ein Wiedersehen mit Laura Göttner wird es für die Schillerschüler schon in naher Zukunft geben, wenn sie in "Der Zauberlehrling und sein Handschuh" zu sehen ist. Und auch für "Der Junge im Bus" - in diesem Stück war Frau Wienhold schon mit ihren Sechstklässlern - haben weitere Regelschulklassen bereits Karten.

Hartmut Gerlach


Fotos: 1 Katrin Wienhold, 2 H. Gerlach